Montag, 24. April 2017

Wunderschönes Riga

Entgegen der Vorhersage hatte ich auch am heutigen Tag, den ich komplett in Riga verbracht habe, wieder 'mal bestes Wetter! Das bedeutete, dass ich noch zwei weitere Fahrradtouren unternehmen konnte; durch die Nähe des WoMo-Stellplatzes zum Stadtzentrum konnte ich zwischendurch einfach "nachhause" fahren, und so langsam fühle ich mich hier richtig wohl... ;-) Dennoch werde ich morgen weiterfahren, denn es gibt auf dieser Rundreise ja noch so viel mehr zu sehen!

Insgesamt drei Radtouren in einer einzigen Stadt; das bedeutet schon 'was, und es zeigt sehr deutlich, wie lohnenswert Riga ist! Dabei habe ich gerade 'mal einen Bruchteil gesehen, vom Besuch von z.B.  Veranstaltungen, Museen oder ähnlichem ganz zu schweigen.

Für den Vormittag hatte ich mir den lebhaften und sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen beliebten Zentralmarkt in den ehemaligen Zeppelin-Hallen vorgenommen, der mit 5,7 ha als größter Lebensmittelmarkt Lettlands gilt. Danach wollte ich noch etwas in der Altstadt herumstöbern und versuchen, ein paar Mitbringsel zu kaufen.

Ich fuhr zunächst wieder in Richtung Vanšu-Brücke (früher: Gorki-Brücke); auf dem rechten Ufer der Düna hatte dieses Mal eine große Fähre der TALLINK-Linie festgemacht, vermutlich aus Tallinn kommend.



Nachdem ich die Brücke überquert hatte, bog ich sofort rechts ab und fuhr, den Fluss direkt rechts und die Altstadt links von mir, einige Kilometer weiter. Das eigenwillige Gebäude der Lettischen Nationalbibliothek auf der anderen Seite des Flusses kann man kaum übersehen; dieser Neubau wurde erst vor ca. zwei Jahren eingeweiht.



Als nächstes passiert man die ebenfalls als eines der Wahrzeichen Rigas geltende Eisenbahnbrücke, eine 1914 erbaute und 850 m lange Stabbogenkonstruktion.



Dieses markante Gebäude, das mich sehr an die monumentalen Sowjet-Bauten erinnerte, hatte ich schon am Vortag mehrfach aus der Ferne gesehen, und da ich nun ganz in der Nähe war, war ich neugierig zu erfahren, um was es sich dabei handelte. Ich fuhr also hin, um es mir etwas genauer anzusehen und natürlich auch zu fotografieren. Es beherbergt heute die Lettische Akademie der Wissenschaften, wurde von 1952 bis 1958 im Baustil des Sozialistischen Klassizismus errichtet und 1961 von der Sowjetunion als Kultur- und Wissenschaftspalast dem lettischen Staat geschenkt! Na also, wusst' ich's doch... ;-) 



Jetzt besuchte ich den bereits oben beschriebenen Zentralmarkt, wo es mir ausgesprochen gut gefiel! Es gibt einen großen Außenbereich sowie fünf Hallen, jeweils eine für Gemüse, Milch, Fleisch, Fisch und Gastronomie. Hier herrschte ein buntes Treiben, und ich war wieder einmal mehr als erstaunt, was es so alles auf der Welt zu kaufen gibt; einfach der Wahnsinn!









Nachdem ich den Besuch auf dem Zentralmarkt beendet und mich wieder auf mein Fahrrad geschwungen hatte, gab's plötzlich einen lauten Knall, direkt unter mir, und mit mir ging's plötzlich bergab...

Naja, nur ganz kurz, denn die Schraube, die die Sattelstütze meines Bikes im Rahmen halten soll, war ganz einfach 'mal gebrochen, und dadurch sackte der Sattel samt "Inhalt" etwa 20 cm tiefer auf den Rahmen! Ich saß ganz unvermittelt auf meinem Bike wie der viel zitierte "Affe auf dem Schleifstein", und bei jeder Bewegung, bei jedem Tritt, drehte sich der Sattel zu allem Überfluss auch noch nach links bzw. rechts! What the...?

Ok, dachte ich, ist zwar alles nicht so wild, aber so konnte ich meine Tour auf keinen Fall fortsetzen! Also wieder einmal die "Tante Google" gefragt, ob es denn hier in der Nähe einen Bike Shop geben würde oder so 'was ähnliches. Ich hatte Glück, es gab einen, mitten in der Altstadt, nur ein paar Gehminuten von hier entfernt. Ich suchte also den Laden auf, traf auf einen jungen, sehr sympathischen Typen, der bestes Englisch sprach. Er kramte eine Weile in seiner "Grabbelkiste" herum, fand dann eine Schraube, die aber nicht passte, dann schließlich noch eine! Die war ok, allerdings eine Schlitzschraube, die man am Fahrrad ja eigentlich nicht haben möchte! Macht aber nix, soll ja sowieso nur ein Provisorium sein; in Deutschland kann ich sie ja wieder gegen eine "vernünftige" austauschen! Auf die Frage, was ich ihm schuldig sein würde, winkte er nur ab und wünschte mir eine schöne weitere Reise! Ich gab' ihm trotzdem 2 Euro und war heilfroh, das Problem so schnell erledigen zu können!

Da ich ja sowieso in die Altstadt wollte, hatte ich noch nicht 'mal einen Umweg in Kauf zu nehmen! Ich bekam Hunger und fand ein uriges Restaurant, wo ich ein Gericht von der Mittagskarte bestellte. Ich fragte extra vorher nach etwas Landestypischem und bekam eine Art Frikadelle in Weinsoße mit Rosinen(!) und Kartoffeln. Eine für mich gewöhnungsbedürftige Kombination, aber dennoch sehr lecker! Dazu ein kleiner Nachtisch und ein Glas Cola, alles zusammen nur 7,50 EUR!






Nach dem Essen besuchte ich einen Souvenirshop und hatte wieder 'mal ein echt tolles Gespräch mit den beiden jungen Leuten, die hier im Laden bedienten. Echt angenehm, wie freundlich und aufgeschlossen die jungen Menschen hier sind! Beide (Männchen und Weibchen) sprachen ein absolut perfektes Englisch (was eines der Gesprächsthemen war; ich wunderte mich darüber, dass offensichtlich alle jungen Leute mehrere Fremdsprachen beherrschten), und wir unterhielten uns fast eine halbe Stunde lang! Darüber hab' ich, als ich ging, ganz vergessen, 'was zu kaufen... ;-) Im nächsten Laden kaufte ich aber dafür neben anderen Kleinigkeiten eine Flache Balsam, aber nicht für die Seele, sondern für den Körper! ;-) Es handelt sich dabei um einen traditionellen lettischen Likör aus Kräutern, Blüten, Ölen und Beeren mit 45% "Umdrehungen".

Um die eingekauften Sachen "loszuwerden", fuhr ich zurück zum Wohnmobil, auch in der Hoffnung, dass ich mich nun endlich 'mal irgendwo anmelden konnte, aber auch dieses Mal: Fehlanzeige! So langsam wurde es mir ziemlich egal, ob das noch 'mal klappen würde oder nicht; offenbar wollte hier niemand mein Geld... ;-)

Nach einer kleinen Pause ging's erneut auf's Fahrrad; mein Ziel war jetzt aber nicht mehr die Altstadt, sondern Rigas Neustadt mit ihren prachtvollen Jugendstilgebäuden, wie die Altstadt ebenfalls zum UNESCO-Kulturerbe gehörend.

Zuerst fuhr bzw. ging ich eine Weile durch den so genannten Basteiberg, eine weiträumige und sehr hübsche Parkanlage am Ostrand der Altstadt.



Ich fuhr über eine Brücke und erreichte mit dem berühmten Freiheitsdenkmal, einem Symbol für die nationale Souveränität des lettischen Staats, die Neustadt. Auf dem Sockel des Denkmals steht ein 19 m hoher Obelisk, auf dessen Spitze sich eine 9 m große Statue befindet. 



Sie stellt eine weibliche Figur dar (im Volksmund Milda genannt), die drei Sterne in den Händen hält. Sie stehen für die drei historischen Regionen Lettlands, nämlich Kurzeme (früher Kurland), Vidzeme (früher Livland) und Latgale (früher Lettgallen).



Das nächste Foto, ganz in der Nähe des Freiheitsdenkmals aufgenommen, ist aus fotogestalterischer Sicht alles andere als ein Meisterwerk, schon gar nicht mit dem häßlichen Bauzaun, aber es zeigt ein weiteres wichtiges Symbol der Einwohner Rigas, die berühmte Laima-Uhr. Sie ist ein beliebter und vielbesungener Treffpunkt der Hauptstadt. Laima ist der größte Süßwarenhersteller des Landes, und die Uhr wurde 1924 mit der Absicht aufgestellt, dass die Arbeiter der Fabrik rechtzeitig zur Arbeit erscheinen sollten...  



Nordöstlich des Denkmals stieß auf diese hübsche Kirche, die zwischen 1876 und 1884 erbaute, russisch-orthodoxe Geburtskathedrale im neubyzantinischen Stil, die größte dieser Art in Lettland. Dies ist nun schon die dritte, der ich auf meiner bisherigen Reise begegnet bin; so etwas sieht man in Deutschland leider nicht... ;-)

Jetzt fuhr ich aber endgültig in das Gebiet rund um die Elizabethstraße, um mir die berühmten Fassaden aus der Jugendstilzeit anzuschauen; insgesamt 800 Jugendstilgebäude soll es noch in Riga geben; hier einige wenige Beispiele...


















Nun war es schon relativ spät, und es wurde auch empfindlich kalt, sodass es Zeit war, den Rückweg anzutreten. Ich fuhr von hier aus Richtung Westen bis an den Fluss, dann nach Süden, um wieder über die große Brücke auf die andere Seite und auf "meine" Insel zu gelangen.

1 Kommentar:

Weißkopfadler und Gaszug - zwei Oldies on Tour hat gesagt…

Einfach nur toll!! Ich stelle fest, dass auch Du (wie wir)in jeder Stadt die Markthallen und "Fressbuden" suchst - und findest!!