Dienstag, 18. April 2017

Ankunft im winterlichen Klaipeda

In der Nacht hab' ich ziemlich schlecht geschlafen, bin immer wieder wach geworden und hatte dann ziemlich viel Mühe, wieder einzuschlafen! Das lag meiner Ansicht nach weniger an den bereits erwähnten Bewegungen des Schiffs oder an den Motorgeräuschen, sondern eher am viel zu lauten Fernseher in der Nachbarkabine! Bis etwa gegen 3:00 Uhr morgens hörte ich von dort ununterbrochen russisch klingendes "Gebrabbel". Zuerst dachte ich, es unterhielten sich zwei Leute dort, aber dann wurde mir schnell klar, dass es der Fernseher war.

Als ich heute Morgen aufstand, fühlte ich mich aber trotzdem einigermaßen ausgeruht, und nach einer erfrischenden Dusche war die Müdigkeit endgültig weggespült.

Ich ging in die Cafeteria und gönnte mir zuerst einmal ein "gemütliches" Frühstück, schließlich hatte ich jede Menge Zeit! Das Angebot auf dem Buffet war zwar nicht ganz so vielfältig wie gestern Abend, aber was angeboten wurde, war völlig ausreichend und auch sehr schmackhaft. Ich finde bei einem Buffet immer am allerwichtigsten, dass die Speisen wirklich noch heiß sind, wenn man den ersten Bissen in den Mund steckt, und das war hier der Fall!



Es war jetzt etwa 9:00 Uhr (litauischer Zeit) und bis zur geplanten Ankunft in Klaipeda musste ich mir noch mehr als 7 Stunden lang die Zeit vertreiben. Im Nachhinein gesehen vergingen die aber dann doch recht schnell. Ich wanderte mehrfach im Schiff umher, sah mich überall um, trank einen Cappuccino und ging natürlich auch häufig nach draußen, um nach lohnenden Fotomotiven Ausschau zu halten. Dort konnte man es allerdings nicht besonders lange aushalten, denn es herrschten eisige Temperaturen (etwa 0 - 3°) und dazu gab's kräftigen Wind; ab und zu regnete es auch. Das Foto zeigt, wie schon gestern erwähnt, das völlig leere LKW-Aussendeck des Schiffs.



Immer wieder kam ich an den Monitoren vorbei, auf der man die aktuelle Position der Fähre ablesen konnte. Normalerweise verwende ich für diese Information mein iPhone, aber hier gab's natürlich keinen Mobilfunkempfang! Den braucht man zwar nicht, um seine GPS-Position festzustellen, wohl aber, um sie auf Karten, die eventuell aus dem Internet nachgeladen werden müssen, anzuzeigen. Man konnte übrigens auch stundenweise WIFI-Verbindungen buchen, die waren aber absolut "grottenlangsam"...  



Endlich kam irgendwann der Hafen von Klaipeda in Sicht; das Schiff fuhr jetzt sehr langsam, sodass man viel Zeit für Fotos hatte. Die Einfahrt in den Hafen und somit in das Kurische Haff war recht interessant.



Die Kurische Nehrung, die hier ja bei Klaipeda beginnt und die ich mir morgen etwas ausführlicher anschauen wollte, war sehr gut zu erkennen, vor allem der schöne und breite Sandstrand sowie die dahinter liegenden Dünen. Das Wetter auf dem Foto unten sieht möglicherweise ganz passabel aus, aber meine Uhr zeigte gerade 'mal 2° an; es war windig und damit auch wirklich eiskalt; der Regenschauer, ganz ab und zu ganz unvermittelt über das Deck peitschte, bestand irgendwie aus einem recht merkwürdigen, etwas weißlich schimmernden Material... ;-)



Die Langsamfahrt an den Hafenanlagen auf der linken Seite entlang zog sich dahin, denn das neue DFDS-Terminal war ziemlich weit von der Einfahrt in das Haff entfernt.

Schließlich legte das Schiff an und ich machte mich mit "Sack und Pack" auf den Weg zum Fahrzeugdeck. Kaum saß ich endlich wieder im Wohnmobil und hatte meine Sachen verstaut, ging es auch schon los; die riesigen Luken öffneten sich und die Ausfahrt der Fahrzeuge begann.

Erste Überraschung an Land: Vor der eigentlichen Pass- und Zollkontrolle wurde zuerst einmal bei jedem Fahrer ein Alkoholtest durchgeführt; so etwas hatte ich bisher auch noch nicht erlebt! Man muss allerdings im gleichen Atemzug einräumen, dass eine solche Maßnahme ja auch ganz und gar nicht unsinnig ist, erst recht nicht bei Fähren, auf denen der Alkohol im Duty-Free-Shop für Menschen aus bestimmten Ländern besonders preisgünstig ist...



Mein Navi hatte ich schon gestern, bevor ich auf die Fähre fuhr, programmiert; mein Ziel für heute (es war jetzt kurz vor 17:00 Uhr) ist das etwa 60 km entfernte Nida auf der Kurischen Nehrung, ein kleiner Ort kurz vor der Grenze zur russischen Enklave Oblast Kaliningrad. Dort wollte ich auf dem einzigen Campingplatz für ein oder zwei Nächte einchecken.

Die Fahrt durch Klaipeda bis zur nächsten Fähre dauerte nur ein paar wenige Minuten; ich hatte leider gar keine Zeit, die mir völlig fremde und vor allem extrem fremdartig erscheinende Stadt näher zu betrachten, weil ich mich hundertprozentig auf den Verkehr, die Straßenschilder und die aufgeregten Ansagen meiner etwas verunsichert erscheinenden "Navi-Siri" konzentrieren musste. Ok, sie war anscheinend auch noch nie hier...

Bei der besagten Fähre handelt es sich ebenfalls um eine Autofähre, allerdings ein paar "Nummern" kleiner als die, von der ich gerade kam! Sie verbindet den Hafen von Klaipeda mit der Nehrung, und die Überfahrt dauerte ebenfalls nur ein paar Minuten. Dafür kostet sie aber richtig viel "Kohle": 30 Euro musste ich bezahlen, eine Pauschale für Wohnmobile, die im Vergleich zum Ticket für PKW deutlich überteuert zu sein scheint.

Ein paar Kilometer weiter beginnt dann der Nationalpark Kurische Nehrung, für den nochmals 15 Euro zu "berappen" sind! Die Fahrt bis nach Nida, die zuerst durch dichten Wald, später häufig auch direkt am Haff entlang führte, war interessant und sehr abwechslungsreich; ich genoss die schöne und fremde Landschaft und vor allem das Gefühl, endlich wieder "frei" fahren zu können. Etwas Bedenken kam auf, wenn immer wieder 'mal kleine Schneeschauer über die Straßen fegten; das Thermometer zeigte jetzt 3 bis 4 Grad an!

Die Anfahrt zum Campingplatz war überhaupt kein Problem; er liegt am Ortsrand von Nida und hat das ganze Jahr über geöffnet.

Dachte ich!!! So stand's auch im Internet und in sämtlichen Unterlagen, die ich vorher studiert hatte! Nun stand ich zu meinem Schrecken aber direkt vor einer verschlossenen Schranke; ein Schild wies darauf hin, dass der Platz noch geschlossen sei! So ein schöner Mist!

Direkt vor dem Platz standen in einer winzigen Parkbucht zwei Wohnmobile aus der Schweiz; ich klopfte an und fragte die Besatzung, ob sie etwas näheres wüssten. Das war leider nicht der Fall; sie hatten ebenfalls geglaubt, der Platz würde bereits geöffnet sein, und standen schon die zweite Nacht hier vor dem Tor. Es gab zwar eine Telefonnummer, die man anrufen könnte, aber da meldete sich niemand. Leider war der Platz vor der Schranke deutlich zu klein, als dass ich auch noch meine "Hannelore" dort hätte hineinquetschen können, deshalb musste ich wohl nach einem anderen Platz suchen!

Nun kam erschwerend hinzu, dass es in Litauen streng verboten ist, sich in Nationalparks irgendwo an die Straße zu stellen, um dort zu übernachten, auch nicht auf einen der vielen gut ausgebauten und jetzt um diese Jahreszeit völlig verwaisten Parkplätze; die Strafen dafür sind astronomisch hoch, wenn man erwischt wird! Ich fuhr mehrfach durch den Ort und um ihn herum, fand aber nichts, bis ich notgedrungen einsah, dass ich den Nationalpark verlassen musste. Das bedeutete, mindestens 40 km wieder zurück zu fahren, was mir grundsätzlich ganz und gar widerstrebt!!!

Aber es half ja nichts! Ich fuhr also wieder aus dem Nationalpark heraus, legte unterwegs allerdings noch einen kleinen Zwischenstopp ein, um über die Dünen zu klettern und einen Blick auf's Meer zu werfen. Inzwischen zeigte sich die Sonne wieder etwas häufiger, wie man auf dem folgenden Foto sehen kann.

Ich erinnerte mich an meine Reisevorbereitungen vor ein paar Wochen und daran, dass es an der Spitze der Kurischen Nehrung, in Klaipeda, ein sehenswertes Delfinarium gibt, auf dessen großen Parkplatz man zur Not auch über Nacht stehen konnte! So kam es dann auch; ich fuhr hin, fand den Parkplatz völlig leer vor und konnte erleichtert endlich den Zündschlüssel ein letztes Mal für heute umdrehen!

Zudem stand ich hier direkt am Wasser; der immer noch recht geschäftige Hafen von Klaipeda lag direkt mir gegenüber und jetzt, um 20:00 Uhr beim verdienten Abendessen, schien die Sonne so selbstverständlich vom Himmel, als hätte sie den ganzen Tag lang nichts anderes getan! Wie es morgen weitergehen sollte, wollte ich jetzt nicht mehr überlegen; die Entscheidung vertagte ich einfach auf morgen...

Kommentare:

Weißkopfadler und Gaszug - zwei Oldies on Tour hat gesagt…

Du scheinst einen guten Geist auf Deinen Reisen bei Dir zu haben - auch wenn mal was nicht so klappt, zeigt man Dir immer eine gute Alternative!!!

Bernd Dietrich hat gesagt…

Hallo Wolfgang,

aktuell zu diesem Beitrag: ich mache zwar um Apple einen Bogen wie der Teufel um das Weihwasser, aber auch für für dieses Nischenprodukt (;o)) gibt es die sehr empfehlenswerte App "Maps.me" mit höchst detaillierten Offline-Karten aus dem Open-Street Map Angebot. Auf der Ostsee hätten die zwar auch 'nur' eine blanke Fläche gezeigt, aber zumindest hättest Du über Zoom Deine relative Position zum Ufer mit GPS bestimmen können.

So, nun erst man weiterlesen...

Bernd

Wolfgang Kölln hat gesagt…

Hi Bernd, ja, Maps.Me kenne ich, benutze ich schon seit fast 10 Jahren, hab's auch auf meinem Handy installiert, allerdings nicht daran gedacht... ;-)