Samstag, 24. September 2016

Kein Entrecôte in Concarneau

Eigentlich ist die Hauptsehenswürdigkeit von Concarneau, wie schon in Saint-Malo, die von dicken Festungsmauern umgebene Altstadt, die hier allerdings nicht Intra Muros, sondern Ville Close genannt wird. Sie ist außerdem deutlich kleiner und liegt im Becken des Fischereihafens der Stadt; eine kurze Steinbrücke führt hinüber zum einzigen Eingangstor.

Für deutsche Touristen gibt's offensichtlich aber seit einigen Jahren einen weiteren triftigen Grund, Concarneau und Umgebung einen Besuch abzustatten! Schuld daran ist ein gewisser Jean-Luc Bannalec, ein Schriftsteller, der mit richtigem Namen Jürgen Bong heißt, und der mit seinen bisher fünf Krimis jedesmal auf der Bestsellerliste des Spiegel stand. Die Handlungen der Romane, die mittlerweile auch schon für die ARD verfilmt wurden, spielen allesamt in der südlichen Bretagne; im Mittelpunkt steht der aus Paris strafversetzte, manchmal etwas eigenbrötlerische Kommissar Georges Dupin, dessen neues Kommissariat und auch Wohnsitz sich eben in Concarneau befinden.

Im ersten Roman, Bretonische Verhältnisse - Ein Fall für Kommissar Dupin, lernt der Leser, dass das Restaurant L'Amiral offenbar das Lieblingslokal des Kommissars ist; dort sucht er seine Ruhe (findet sie aber nie) und bestellt vor allem sein Leibgericht: Ein saftiges Entrecôte, dazu Espresso und literweise Rotwein, am besten den aus dem Languedoc. Seit etwa 2013 scheint dieses Lokal nun fast zu einer Pilgerstätte für deutsche Touristen geworden zu sein; auf die deutschen Besucher und den Ansturm auf das "legendäre" Entrecôte ist die Mannschaft des Lokals mittlerweile eingestellt. Auch die Romane, die bereits in 10 Sprachen übersetzt wurden, kennt man dort inzwischen.

Dass ich überhaupt von diesen Bretagne-Krimis ('mal googlen!) wusste, habe ich wieder der schon vor ein paar Tagen erwähnten Dokumentation aus der WDR-Reihe Wunderschön! zu verdanken; dort wurde der erste Roman als Begleitlektüre zu einer Bretagne-Reise vom Tamina Kallert dringend empfohlen, jawoll! Ich habe ihn mir deshalb schon vor einiger Zeit besorgt, und zwar in der Hörbuch-Fassung, und ihn vor ein paar Tagen angefangen. Gerade eben habe ich den letzten Teil gehört; der Fall ist gelöst! Meiner Ansicht nach ein wirklich lohnender und vor allem kurzweiliger Krimi, vor allem, wenn man auf seinen Spuren "mitreisen" darf! Diejenigen unter euch, die ihn schon kennen, wissen natürlich, dass ich mich nun ganz besonders auf den Hauptschauplatz der Handlung freue, nämlich Pont-Aven, das hübsche, verschlafene Malerstädchen. Ich bin schon sehr gespannt darauf und hab' das eigenartige Gefühl, dass mir dieser Ort schon jetzt irgendwie vertraut ist...

Meine Fahrt von Quimper hierher heute morgen dauerte nur ca. 30 Minuten; auf dem Parkplatz am Bahnhof können auch Wohnmobile super parken, und um 10:00 Uhr saß ich schon auf dem Fahrrad.

Ich wollte zuerst in den südöstlichen Teil der Stadt und musste dazu auf der D783 über eine hohe Brücke fahren, die den kleinen Fluss Le Moros überspannt; von dort oben hatte ich einen guten Blick auf die Stadt (obwohl der Fischereihafen nicht gerade attraktiv aussieht) und auf die Ville Close in der Bildmitte des folgenden Fotos; die Blickrichtung ist hier Südwest.


Nachdem ich dort ein wenig herumgefahren bin und die Altstadt in Ruhe vom Wasser aus betrachten konnte, ging es auf demselben Weg wieder zurück zum Stadtzentrum. Das oben erwähnte Restaurant L'Amiral liegt direkt gegenüber dem Übergang zur Altstadt, war aber leider (noch?) geschlossen; mit dem Entrecôte wurde es also nichts, aber danach war mir um diese Uhrzeit sowieso nicht zumute...

Nun war aber endlich die Ville Close dran! Ich überquerte die kleine Brücke, schaute mir den attraktiven Uhrenturm an und ließ mein Fahrrad unmittelbar nach Passieren des Eingangstors stehen; in der Altstadt würde es wohl nur stören.


Kaum war ich auf der "Hauptstraße" der kleinen Insel, der Rue Vauban, angelangt, war ich schon von Menschenmassen umgeben; so voll hatte ich es mir eigentlich nicht vorgestellt.


Allerdings täuschte dieser Eindruck etwas; im weiteren Verlauf der Straße verteilte sich alles etwas, aber hier möchte ich wirklich nicht in der Hauptsaison unterwegs sein!

Die Insel ist rund 350 Meter lang und 100 Meter breit; von der Hauptstraße gehen kurze Gässchen ab, die aber schon bald wieder auf die Stadtmauer stoßen; die ist übrigens fast rundherum begehbar. Die schmalen Stadt­häuser mit den für die Bre­tagne so typischen Fassaden aus grauem Granit, kopf­stein­gepflas­terten Seitengassen sowie die vielen teilweise skurrilen Andenken­läden, Bars, Galerien und Crêperien sorgen insgesamt und trotz der Menschenmassen für eine interessante, fast gemütliche Atmosphäre.






Im Laden auf dem folgenden Foto habe ich als Mitbringsel für Gitta und Jimmy einen so genannten Kouign Amann erstanden, einen Butterkuchen, der als bretonische Spezialität gilt und gleichzeitig nach Karamell und etwas salzig schmecken soll; bin sehr gespannt, wie der uns munden wird, aber zuerst 'mal muss ich ihn heil nach Deutschland bringen... ;-) Als kleines Trostpflaster wanderten aber auch noch drei kleine, ähnliche "Küchlein" in meinen Einkaufskorb, von denen ich heute nachmittag leider versehentlich einen verschluckt habe! Auch diese Teile trieften nur so vor Karamell und schmeckten einfach göttlich!!!



Gegen 13:00 Uhr verließ ich schließlich Concarneau und fuhr die knapp 15 km nach Pont-Aven auf einen speziell für Wohnmobile vorgesehenen Parkplatz, etwas oberhalb der Stadt. Nach einer Kaffeepause (mit der oben erwähnten Kalorienbombe) und einer kleinen MAD-Aktion ("Matratzen-Abhorch-Dienst") wollte ich eigentlich noch die erste Stadterkundung unternehmen, aber der Regen machte mir wieder 'mal einen Strich durch die Rechnung! Also werde ich erst morgen früh durch meinen "Kriminalroman" laufen; hoffentlich sitzt der Mörder schon hinter Gittern... ;-)

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